Im 19. Jahrhundert waren Briefe das freieste Medium des Informationsaustauschs, der Meinungs- und Theoriebildung. Briefkommunikation war – anders als öffentliche Medien wie Zeitungen – kaum der Zensur ausgesetzt.
„Heute werden historische Materialien, die nicht digital erschlossen sind, kaum noch benutzt. Solche Materialien auffindbar zu machen, ist das Ziel des Trierer Briefportals.“
Briefe konnten zudem große Entfernungen überwinden und ermöglichten intensiven Austausch ohne physische Begegnung, was in den deutschen Staaten von großer Bedeutung war, fehlte doch ein politisches und geistiges Zentrum wie London oder Paris. Wenn politische Gesinnungsgenossen über dieselben Themen räsonierten, auf Briefe anderer Beteiligter verwiesen, bisweilen auch Briefe oder Auszüge weitergaben, entstanden Korrespondenz-Netzwerke, in denen politische Ideen diskutiert und Aktivitäten geplant wurden, die sich als virtuelle Salons begreifen lassen, in denen überregionaler und oft transnationaler Austausch und Ideentransfer stattfinden konnte.1